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Mathäus Funk (1697-1783), Schreibkommode mit zweitürigem Aufsatz um 1745-50 (TYP F)

Mathäus Funk (1697-1783), Schreibkommode mit zweitürigem Aufsatz um 1745-50 (TYP F)

Normaler Preis CHF 65,000.00
Normaler Preis Verkaufspreis CHF 65,000.00
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Schreibkommode mit zweitürigem Aufsatz um 1745-50 (TYP F)

Schreibbureau mit seitlich je 4 abgetreppten flachen Schublädchen, in der Mittelpartie zwei Schublädchen und 3 Schubfächer. Im Aufsatz geschweifte Schubladen, seitlich fünf Grössere, in der Mittelpartie herausnehmbarer Nischenkasten, darunter acht kleine, darüber eine grosse Schublade unter dem Giebel. Eingelegtes Wappen in Schreibklappe der Familie v. Gross (Bern/Weimar) im Stile der Boulle-Marketterie (Messing u.A. ziseliert, zweifarbige Schildpatt, Bernstein und Perlmutt).

Nussbaum-Maser, Kommode doppelt gefriest. Statt falsche Wulsttraversen, Federfries an den beiden oberen Schubladen. Klappe und Aufsatztüren dreifach gefriest, die Seiten mit zweifachem Fries und schmalem Federfries. Alle Wulsttraversen an den Kanten mit Messing überzogen. Griffe der Kommode mit Büsten und Kopfputz. Florales Kattunpapier, beiger Grund mit spiraligen Blüten weiss ausgespart, Blätter teilweise grün und rosa getönt.

Dimensionen:
235x135x76cm

Provenienz:
Gabriel v. Gross (Bern/Weimar)

Diese Schreibkommode wurde eigens als Auftragsarbeit für die Familie Von Gross hergestellt (https://vongross.org/)

Bemerkung:
Dieses Trois Corps ist in unglaublich schönem, ehrlichem Zustand. Ein paar kleine Abplatzungen des Furnier und altersbedingte marginale Kratzspuren. Schlüssel vorhanden. In Schublade der Kommode wurde das originale Kattunpapier wohl im 19. Jahrhundert durch ein blaues ersetzt. Ein Schild der Marketteriearbeiten, das wohl als Muster für den Kunden diente, liegt dem Möbel bei, sowie ein schwarz/weiss Foto des Gabriel v. Gross in der Junkerngasse vor dem Möbel sitzend, sowie das Familienwappen als Hinterglasmalerei wird der neuen Besitzerschaft mitgegeben.

Schätzung: 65-75’k

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Biographie:

Als ältester Sohn des Johann Lorenz Funk und der Anna Margaretha

Sergeant kam Mathäus Funk (1697-1783) in Murten zur Welt und wurde dort am 18. April 1697 getauft. Über die Kindheit von Mathäus Funk in Murten und Bern ist bisher nichts bekannt. Auch seine Ausbildung liegt im Dunkeln. Dass er seine Ebenistenkunst auf einer langen Wanderschaft erlernt habe und sie in Frankfurt am Main und in Paris exerzierte, ist das Einzige, was wir durch ein Gutachten des Kommerzienrates von 1736 erfahren. Da in einschlägigen Akten die Namen der Ebenisten, kaum je aber jene ihrer Gesellen und Lehrlinge genannt sind, blieben auch Nachforschungen über Mathäus Funk in Frankfurt am Main noch ohne Ergebnis. Man kann deshalb nur annehmen, dass er im Alter von etwa 15 Jahren eine wohl vierjahrige Lehre begonnen hatte. Somit dürfte er seine Wanderjahre um 1716 angetreten haben. Acht Jahre perfektionierte er sein Können als Geselle, bevor er 1724 wieder in Bern Fuss fasste. Die Burgerkammer erlaubte ihm am 23. November dieses Jahres, in Bern Wohnsitz zu nehmen, und bezeichnete ihn dabei als kunstreichen Ebenisten und Vergolder. Ein Jahr später heiratete er in Bern Maria Magdalena Wäber (1697-1750), die Tochter des Burgers Daniel Wäber (1675-1731), Tuchmacher und Färber in Bern, und der Margarethe, geborenen Inselin (1665-1733?). Er erhielt als Hintersäss am 19. März 1725 die dazu erforderliche Erlaubnis des Chorgerichtes.

 

Dem Paar wurden zwischen 1726 und 1738 vier Knaben und sechs Mädchen geschenkt. Dass Mathäus Funk 1724 in Bern als Nichtberner mit Heimatort Thielle (Fürstentum Neuenburg) überhaupt eine Wohnsitzbewilligung erhielt, bedeutete, dass man in den entscheidenden Gremien offenbar seine hervorragende Begabung kannte. Funk erfreute sich eines nicht unbedeutenden Wohlwollens der Behörden, die gegenüber den stadtbernischen Meistern und den äusseren Meistern des Landes dadurch das Gesicht wahrten, dass Funk jahrzehntelang nur geduldet war und blieb. Man vergab sich nichts. Jährlich musste ja die Bewilligung erneuert werden. In der Tat stellten sich ihm besonders die eifersüchtigen Meister des Gürtlerhandwerks entgegen, so dass er sich 1729 vor der Burgerkammer beklagte. Die Gürtler hinderten ihn, «seine eine lange Zeit auff der Wanderschaft erlehrete Ebenistenkunst mit allerhand eingelegter Arbeit von Messing, Perlenmutter, Schildkroth und Ebenholz und wqas sonsten ihme zu solcher Arbeit dienlich sein möchte, fortzusetzen..» Es wäre ein leichtes gewesen seine Aufenthaltsbewilligung nicht mehr zu erneuern. Das lag aber keineswegs im Interesse der Obrigkeiten. Funk hatte bewiesen, dass er so gut wie die Meister in Paris arbeitete. Nun hatte man selbst ein Könner in der Hauptstadt und wart nicht mehr angewiesen, die eleganten modernen Möbel und Pendulen im Ausland zu beschaffen.

Quelle: FONCK A BERNE, Hermann v. Fischer

 

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